Die wohl hilfreichste Maßeinheit für Glück & ein gutes Leben

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Wie misst man eigentlich Glück?

Oder in welcher Maßeinheit zählt man ein glückliches Leben?

In schönen Stunden mit der Familie?
In prächtigen Sonnenuntergängen oder Terrassen-Weinen mit guten Freunden?
In Ausschlafen und hervorragendem Essen?

Da Glück für uns Menschen ein zentraler Wert ist, hat sich natürlich auch so etwas wie Glücksforschung entwickelt.

Und hat zum Teil sehr spannende Antworten auf die Fragen oben geliefert.

In diesem Post werde ich die aus meiner Sicht stimmigsten Konzepte vorstellen – und ein weiteres, welches die ersten aussticht.

Nicht, weil es eleganter oder fundierter wäre – sondern weil es einfacher ist.

Es handelt sich dabei nicht um Küchenpsychologie oder schnell Zusammengestellte, dünne Listen, wie man Ihnen oft begegnet. Sondern die Ansätze stammen von profunden Quellen: Hier die drei Ansätze:

– von der größten, jemals durchgeführten Harvard-Studie
– von einem der wohl meistzitierten Psychologen
– vom erfolgreichsten Sachbuchautor unserer Tage

Sowie eine mögliche Synthese vom wohl erfolgreichsten Unternehmen unserer Zeit.

Während die beiden Theorien sich einerseits selber widersprechen und andererseits aus anderer Perspektive auch fraglich sind, so liefert der vierte Weg ein ideologiefreies Konstrukt, welches auch prima als Maßeinheit für ein gelungenes Leben Oder Glück taugen kann.


Was eine Maßeinheit für Glück nutzt

Eine Maßeinheit für Glück zu finden klingt wie ein Anliegen eines billigen Ratgeberbuchs oder eine PR-Aktion eines Unternehmens aus der Lifestyle-Branche.

Doch dieses scheinbar “leichtgewichtige” Anliegen wird von oberster Stelle unterstützt. Die Generalversammlung der UN entschied im Juli 2011 mit der Resolution 65/309, dass Glücksfaktoren erhoben und verglichen werden sollten, damit Politik besser ausgerichtet werden kann auf das Wohlergehen der Menschen.

Selbst die UN versucht also, eine objektive Messbarkeit für subjektives Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit zu schaffen.

Insgesamt lassen sich verschiedene Herangehensweisen feststellen, um Glück zu vermessen:

Alle dieser Indizes fassen verschiedenste Faktoren in eine handliche Zahl zusammen. Das Problem ist nur: diese ist zwar nützlich, um Regionen und Länder miteinander vergleichen zu können – nicht jedoch, um als Mensch sein individuelles Glücksempfinden auszubauen.

Am Beispiel des World Happines Reports der UN erläutert:

Die Kriterien des World Happiness Reports der UN – und die Top 10 der “glücklichsten Länder”

Wie sorge ich als Individuum nun dafür, dass das BruttoInlandsprodukt pro Kopf steigt? Oder wie schaffe ich es, dass meine Lebensentscheidungen möglichst frei getroffen werden können – also nicht eingeschränkt durch gesetzliche und soziale Kodizes?

Die Antwort: Nahezu gar nicht.

Ob eine Menschenmenge ein glückliches Leben führt, lässt sich so sehr gut vergleichen. Wie glücklich der einzelne jedoch ist, keineswegs.

“Glücks-Index”World Happiness Report (UN)Better Life Index (OECD)Glücksatlas (Deutsche Post)
Ange-wandte KriterienBIP pro Kopf,
soziale Unterstützung, gesunde Lebenserwartung,
Freiheit der Lebensentscheidung,
Generosität,
Vertrauen,
“Restwert”
Einkommen, Beschäftigung (Arbeit),
Gemeinsinn,
Bildung,
Umwelt,
Zivil-Engagement,
Gesundheit,
Lebens-Zufriedenheit,
Sicherheit,
Work-Life-Balance
individuelle Zufriedenheit mit…

– dem Leben allgemein
– Arbeit
– Einkommen
– Gesundheit
– Wohnen/ Freizeit

Doch was bringt mir es nun, mein Glück vermessen zu können? Für den einzelnen Moment wenig – für den Vergleich von Momenten jedoch viel. So kannst du halbwegs objektiv vergleichen, ob du heute glücklicher bist als vor zwei Jahren.

Und du weißt, woran du arbeiten musst, um mehr Glück in dein Leben einzuladen.

Wenn ich mein Glück also selber in die Hand nehmen möchte, und in drei Jahren ein glücklicherer Mensch sein möchte als heute – woran kann ich dies also verlässlich messen?


Glück als Summe der tragenden Beziehungen – die Harvard Studie

In Kurz: Die Universität Harvard untersucht seit 19XX in regelmäßigen Abständen XY Personen. Die daraus gewonnenen Daten erlauben nur eine belastbare Korrelation zwischen Glück und einem anderen Faktor: den relevanten sozialen Beziehungen.

Die Universität Harvard kann auf eine –immer noch laufende– Langzeitstudie zurückblicken, welche immer noch ihresgleichen sucht.

Wahrscheinlich ist es sogar die am längsten laufende Studie, welche das Leben von Erwachsenen untersucht. 75 Jahre lang wurden die Leben diverser Erwachsener jährlich unter die Lupe. 724 Männer wurden zu anfangs untersucht – nun werden auch über 2.000 Enkel dieser Männer miteinbezogen.

Alle zwei Jahre werden mittlerweile dieser unglaubliche Satz an Daten erhoben – mitsamt medizinischen Studien, Interviews, Konversationen mit Ehepartnern etc. Und vor 10 Jahren, wurden auch die Ehefrauen der Männer untersucht.

Damit blicken die Forscher auf einen unglaublichen Datensatz zurück – und können grundlegende Faktoren herauskristallisieren, welche einen Menschen glücklich machen, unabhängig vom konkreten Lebensausgang.

Es geht nicht um Wohlstand, Ruhm oder Harte Arbeit.

The clearest Message, from this 75years Message is this: Good relationships keep us happier and healthier“. Punkt.

Dabei haben sie vor allem drei Lektionen über soziale Beziehungen gelernt:

1. Beziehungen tuen uns gut. Menschen, die sozialer verbunden sind mit Freunden, Familie und der Gesellschaft, sind nicht nur glücklicher, sondern auch physisch gesünder. Sie leben länger als Menschen, welche eine geringere Verbindung mit anderen Menschen leben.

2. Einsamkeit wirkt toxisch. Menschen, welche widerwillig isoliert leben, sind weniger glücklich, ihr Gehirn und ihre Gesundheit baut vorzeitiger ab und ihr Leben endet früher als bei Menschen, welche sich nicht einsam fühlen.

3. Es geht nicht um die Nummer an Beziehungen, oder um den Beziehungsstatus – sondern um die Qualität der engen Beziehungen.

Die Zufriedenheit mit den Beziehungen ist der präzisere Faktor, um das Altern eines Menschen vorhersagen zu können, als der Cholersterin-Spiegel.

Die Zufriedensten Menschen im Alter von 50 Jahren, waren auch die gesündesten im Alter von 80.

Und auch die Menschen in den glücklichsten Beziehungen, konnten auch unter größeren Schmerzen ihr frohes Gemüt behalten. Die unglücklich gebundenen Menschen hatten jedoch eine verstärkte Schmerzwahrnehmung durch den emotionalen Schmerz.

3. Gute Beziehungen schützen das Hirn. In einer sicher-verbundenen Beziehung mit einem anderen Menschen behalten länger ihre kognitiven Kapazitäten.

Take-away: Ein gutes Leben wird durch gute Beziehungen bestimmt


XY Teilnehmer – darunter Straßenkinder und US-Präsidenten wurden über einen Zeitraum von XY Jahren immer wieder untersucht. Aus diesem gigantischen Datenfundus lassen sich ernsthafte Indikatoren für ein Glückliches Leben ableiten.

Welche Faktoren beeinflussen nun also die Zufriedenheit eines Menschen?


Glück durch Aufgehen im Moment – das „FLOW“-Konzept

In Kurz: Die Universität Harvard untersucht seit 19XX in regelmäßigen Abständen XY Personen. Die daraus gewonnenen Daten erlauben nur eine belastbare Korrelation zwischen Glück und einem anderen Faktor: den relevanten sozialen Beziehungen.

Glück durch Aufgehen im Moment – das „FLOW“-Konzept

Mihaly Czik geht von der These aus, dass eine person ihr Leben positiv oder unglücklich gestalten kann, unabhängig davon, was „außerhalb“ geschieht, sondern durch einen Wandel des Inhalte des Bewustseinss. (Dabei zitiert er Epiktet, Mark Aurel und Viktor Frankl, weswegen er meine natürliche Sympathie hat). Ansonsten ist er aber der wohl am meisten zitierte, noch lebende Psychologe der Welt,

Was aber noch von den alten, stoischen Denkern im Reich der Behauptung liegt, wird von Czickmenthaly mit Daten unterfüttert.

Und auch hier: Persönliches Einkommen korreliert wenig mit der persönlichen Zufriedenheit. Nach einem erreichten Punkt, nach dem alle Grundbedürfnisse befriedigt wurden, geht es eher um das bewußte Erleben – als das Haben. (Oder in de Worten von Erich Fromm: Sein statt haben)

Womit füllt man also am besten sein Bewußtsein? Am besten mit „optimaler Erfahrung“. Und dies ist der FLOW-Zustand, in dem man in einer Tätigkeit so involviert ist, dass nichts anderes zu zählen scheint.

FLOW-Aktivitäten sind solche Aktivitäten, bei denen wir so tief im Konzentrations-Tunnel sind, dass keine Kapazitäten für anderes übrig ist. Das können Arbeiten sein, oder aber Hobbies wie Segeln oder Klettern. Eben die Tätigkeiten, in denen wir „komplett aufgehen“. In denen wir uns „verlieren“ und unser „Gefühl für die Zeit“ verlieren.

Das können Beziehungen sein, wie in der Harvard Studie, aber auch ein Hobbie oder eine Tätigkeit auf der Arbeit, welche uns gefällt.

Dabei sind Flow-Aktivitäten weder zu Heruasfordernd, noch zu sehr langweilend, sondern verlangen sowohl Fähigkeit als auch Einsatz.

Wie finden wir Flow? Ganz einfach: Das sind vor allem die Tätigkeiten, welche wir lieben.

Die Stichprobe geht hier weiter als die der Harvard-Studie. So sind sowohl Benedektinische Mönche als auch Himalaya-Kletterer befragt worden, indianische Hirten ebenso wie westliche Top-Chirurgen oder Pop-Musiker.

Take-Away: Ein glückliches Leben wird nach dieser Theorie von Momenten geschaffen, in denen wir komplett aufgehen. Schaffe die Rahmenbedingungen für mehr Flow-Momente (Tätigkeiten, welche dich herausfordern und für die du ebenso spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt) und du wirst ein glücklicheres Leben führen. Verbringe so viel Zeit wie möglich in „Flow-Momenten/Status“.

Und hier in lang: https://youtu.be/fXIeFJCqsPs


Glück als biologische Determinante –Yuval Noah Hararis Fragen an beide Prinzipien

Familie und soziales Netz wirken sich einem der führenden Köpfe unserer Zeit, Yuval Noah Harari, und dem ihm zur Verfügung stehenden Studien zufolge deutlich stärker auf unser Wohlbefinden aus, als Geld und Gesundheit. Gerade Krankheit beeinträchtigt Harari zufolge nur einen recht überschaubaren Zeitraum das subjektive Wohlbefinden. Wenn eine Krankheit nicht in Leid übergeht, pendelt sich die „Glückskurve“ Wohl schon recht bald wieder auf dem selben Niveau ein. Ähnlich verhält es sich mit dem Geld.

Generell pendle sich bei jedem Menschen das individuelle Wohlbefinden auf einem konstanten Level ein. Er vergleicht dies mit der Klimaanlage, welche einen Raum auf ein eingestelltes Niveau bringe – auch wenn manchmal Umgebungsbedingungen Ausreißer nach oben und unten festzustellen sind.

Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch, dass unser Glück weniger von objektiven Umständen wie Geld, Gesundheit und sogar einer funktionierenden Gemeinschaft abhängt, sondern vor allem vom Verhältnis zwischen den objektiven Umständen und unseren subjektiven Erwartungen. Wenn Sie einen Ochsenkarren wünschen und einen Ochsenkarren bekommen, dann sind Sie zufrieden. Wenn Sie dagegen einen nagelneues Ferrari wollen und einen gebrauchten Fiat erhalten, dann fühlen Sie sich betrogen. […] Wenn unser Wohlbefinden nur von materiellen Umständen wie Einkommen, Gesundheit und sozialen Beziehungen abhängen würde, dann ließe sich seine historische Entwicklung leicht rekonstruieren. Doch die Erkenntnis, dass Glück vor allem von subjektiven Erwartungen abhängt, erschwert den Historikern die Arbeit” (466f.)

“Bei allem Kitzel des Verliebtseins und bei allem schmerzen über gebrochene Herzen scheint unser biochemisches System darauf programmiert zu sein, unser Glücksniveau mehr oder weniger konstant zu halten. Die Evolution interessiert sich nicht für Glück – sie interessiert sich nur für Überleben und Fortpflanzung und achtet deshalb darauf, dass wir nicht zu glücklich oder zu unglücklich werden. […| „Doch das Glück entsteht im Gehirn. Und das Gehirn weiß nichts von Holzhütten, Penthouses und Champs-Élysée. Das Einzige, was das Gehirn kennt, sind Serotoninspiegel.” (471ff.)


Glück ist nach Harari also vor allem das Ausreizen des biologischen Serotinin-Potentials – und das Freimachen von Erwartungen.

Time well spent: Meine favorisierte Maßeinheit für gutes Leben

Es mag einem so vorkommen, als halten sich diese drei Ansätze gegenseitig in Schach.

Entweder liegt Glück darin, möglichst stabile soziale Beziehungen zu besitzen, oder aber, möglichst viele Flow-Momente zu erfahren. Beides kann Deckungsgleich sein, muss es aber nicht. Gleichzeitig muss es sich auch nicht ergänzen.

Man kann viele Flow-Erlebnisse haben, ohne ein tragendes soziales Netz im Hintergrund.

Und zieht man noch Harari hinzu, dann stellt sich die Frage, ob das nicht alles nur Fassaden eines biologischen Roulette-Spiels sind, bei dem die Kugel schon längst gefallen ist.

Gerade die ersten beiden Glücks-“Maßeinheiten” sind wissenschaftlich stark untermauert und genießen eine hohe Reputation. Und schon beide sind nicht wie Äpfel und Birnen, sondern wie Äpfel und Gurken. Und nun kommt noch dieser meditierende Historiker hinzu und bringt einen dritten Aspekt auf den Tisch: Nüsse.

Gleichzeitig hilft es dann aber, sich vielleicht bewusst zu machen, in welcher Supermarkt-Abteilung man sich befindet: der Obst und Gemüse-Abteilung. Und vielleicht hilft dieser Blick aus der Vogelperspektive, das ganze griffiger in den Blick zu kriegen.

“Es kann bedeuten, dass Glück eben nicht darin besteht, unterm Strich mehr glückliche als unglückliche Momente zu haben. Glück bedeutend vielmehr, das Leben als Ganzes sinnvoll und lohnend zu erleben”.

Genau hier greift ein Parameter, welchen ich das erste Mal entweder bei Google oder bei Facebook gehört habe.

“Time well spent”. Gut verbrachte Zeit.

Das schöne an dieser Einheit ist, dass sie offen ist für alle drei Konzepte.

Gut verbrachte Zeit kann es sein, die Zeit mit seinem Sozialen Netz zu verbringen. Gut verbrachte Zeit kann aber auch in Flow-Momenten bestehen. Oder auch beides. Und gut verbrachte Zeit ist unabhängig von meinem Serotoninspiegel. Denn es geht darum, sinnvoll und lohnenden Zeiten nachzujagen, nicht den “Randerscheinungen” oder dem Hintergrundlärm.

Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie
– Nietzsche

Bei der Frage, wie gestalte ich meinen Tag gut, ist sie aber gleichzeitig sehr hilfreich. So kann ich durch meinen Tagesplan und meine To-Do-Liste gehen und mir parallel immer die Frage stellen, ob dies gut verbrachte Zeit ist.

Das trifft auf Familienunternehmungen genauso zu wie Hobbies als auch Routine-Aufgaben auf der Arbeit.

Vielleicht liegt also ein Schlüssel zu einem “glücklichen” Leben darin, sich beständig zu fragen, ob die Zeit, welche man gerade verbringt, “Time well spent” ist.

Spent ist im Englischen übrigens ebenfalls der Ausdruck für Ausgegeben. Hier kann man also gut und gerne wieder die Brücke schlagen zu dem Konzept, welches ich im vorherigen Beitrag als Zeitwohlstand erläutert habe: Gut investierte Zeit – und das Bewusstsein , das Zeit ein Wertgegenstand ist.

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