Es geht nicht darum, mehr in den Tag zu stopfen, sondern mehr aus seinem Leben zu machen

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Es geht nicht darum, die Dinge zu zählen, die wir erledigen können –
sondern Dinge zu erledigen, die zählen

Wenn Zeit unsere wertvollste Ressource ist –
was fangen wir mit dem uns anvertrauten Schatz an?


Hast du dir schon einmal vorgestellt, du seist Bill Murray in Und täglich grüßt das Murmeltier?

Wenn du den heutigen Tag immer und immer wieder erleben müsstest, gibt es etwas, was du schon bei der zweiten Wiederholung sein lassen würdest?

Früh aufstehen wahrscheinlich?
Oder das Bett machen?
Oder das Hotelzimmer aufgeräumt hinterlassen?
Oder oder oder

Wahrscheinlich kämst du aber nicht auf die Idee, mal richtig ran zu klotzen, damit du deine To-Do-Liste endlich einmal abgehakt hättest, oder?

Ist es nicht komisch: Wenn wir den heutigen Tag leben könnten, ohne dass er Folgen für Morgen besäße, würde kaum jemand “weniger Wichtigem” Zeit einräumen.

Leben wir aber unsere “normalen” Tage, die nun mal Konsequenzen ausstrahlen in das Morgen, so sind wir geradezu vernarrt in das nur scheinbar Wichtige.

Wir werden dann zu Meistern darin, uns in trivialem Zeug zu verlieren (auch oft Entertainment genannt) oder die Arbeit zu erledigen, die “noch gemacht werden muss”.

Gerade Arbeit neigt wie ein Gas dazu, alle ihr zur Verfügung stehenden Räume auszufüllen.
Schade eigentlich, oder?

Wert und Gegenwert: Wie verwendest du deine wertvollste Ressource?

Zeit ist sprichwörtlich ja Geld.
Aber dieses Sprichwort greift genau genommen viel zu kurz.

Im “Auftaktartikel” dieses Blogs argumentierte ich, dass Zeit die wertvollste Ressource ist, welche wir haben. Dies ist sie, weil sie a) limitiert ist und b) unwiederbringlich.

Wir können Zeit schlicht nicht lagern und irgendwann verwenden, wenn uns danach ist.

Geld hingegen ist eine potentiell unbegrenzte Ressource, welche sich beständig wieder generieren lässt.

Im Gegensatz zur Zeit. Einmal verstrichen, ist sie unwiederbringlich vorbei…

In einer eindrucksvollen Szene wurde letztens in einer Netflix-Dokumentation verdeutlicht, dass dies sogar den ehemals reichsten Menschen der Welt antreibt. Die Auftaktfolge der Mini-Serie über Bill Gates eröffnet mit seinem gemeinnützigen Engagement (er leitet immerhin die mit Abstand weltgrößte Stiftung). Seine persönliche Assistentin führt recht kurz durch seinen vollen Zeitplan zur Weltrettung, was den Redakteur zur Frage veranlasst, ob er auch einmal zu spät kommen würde. Die Antwort: Nicht eine Minute. Denn: Zeit sei das einzige, was er sich nicht kaufen könne und er würde deshalb sehr genau darauf achten, wie er seine Zeit verbringe.

Warum gibt es eigentlich keinen Anlageberater für Zeit?

31.645 Tage stehen dem durchschnittliche Menschen in Deutschland an Lebenszeit zur Verfügung. Jeder verstrichene Tag reduziert diese Summe unwiederbringlich.

Zeit ist also bedeutend kostbarer als Geld.

Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen. Und ich habe viel Nachhilfe dabei benötigt von Seneca, Marc Aurel und Tim Ferris.

Das Irritierende an uns Menschen: anders als bei Geld, sind wir mit unserer Zeit recht freizügig. (Dabei können wir Zeit recht einfach in Geld tauschen, Geld aber nur sehr schwer in mehr Zeit…)

Bei Geld, welches prinzipiell erneuerbar ist, sind wir geizig – bei der unwiederbringlichen Zeit oftmals verschwenderisch.

Seneca geht sogar so weit zu behaupten, dass Zeit das einzige sei, wo Geiz ehrenhaft ist.

Umso länger man darüber nachdenkt, umso komischer wird es:

Wir überlegen uns sehr genau, was wir mit unserem Geld anstellen wollen. Wir planen, welche Dinge wir uns anschaffen möchten, wieviel Geld wir wohl für den nächsten Urlaub zurück legen müssen und wie wir unser Geld investieren wollen (nun ja, das offiziell wohl nur 14% der Deutschen).

Aber die wenigsten planen genauso gewissenhaft den Umgang mit ihrer Zeit.

Dabei haben wir jeden Augenblick nur einmal, also sollten wir ihn auch nutzen für etwas Sinn- oder Wertvolles. Denn unsere Zeit ist –ich wiederhole mich– ein sehr kostbares, weil knappes, Gut. Das wir leider häufig unter Wert hergeben.

Und so etwas wie einen Anlageberater gibt es nicht für Zeit.
Dabei ist sinnvoll genutzte Zeit wahrscheinlich wesentlich wertvoller als sinnvoll genutztes Geld…

Zeit besitzt aber auch einen großen Vorteil im Vergleich zu Geld: Sie ist fair verteilt.
Bill Gates besitzt nicht eine Sekunde mehr Zeit am Tag als du und ich.

Somit ist Zeit die demokratischste Form von wertvollem Besitz. Weder bestimmt das Elternhaus noch die Ausbildung darüber, ob wir mehr oder weniger Zeit zur Verfügung haben.

Bleibt die drängende Frage: Wie nutzen wir den uns anvertrauten Schatz?

Es geht nicht darum, Zeit um der Zeit Willen zu nutzen. Sondern um deinetwillen.

Zeit mag zwar nicht Geld sein – mit der Zeit lässt sich trotzdem ein gutes Geschäft machen.

Dafür reicht ein Blick in die Buchhandlungen unter der Rubrik Business.

Wir alle wünschen uns doch insgeheim mehr Zeit, oder?

Und wo ein Problem ist, ist ein Markt. Willkommen in der wunderbaren Welt des Zeitmanagement.

“Dinge geregelt kriegen” (“Getting things done”) ist eins der am meisten verkauften Wirtschaftsbücher – und auch ich bin dem Autor sehr dankbar, weil er mir half, mehr aus meiner Zeit herauszuholen. Seitdem ich einige der Prinzipien dieser Methode umgesetzt habe, schaffe ich sogar bedeutend mehr Aufgaben.

ABER.

Die meisten Zeitmanagement-Ratgeber befassen sich vor allem damit, wie man mehr Dinge in der gleichen oder weniger Zeit geregelt bekommt.

Dies ist auch gar nicht schlecht – aber nur ein erster Schritt. Denn das bessere Nutzen der Zeit verhindert, dass diese vergeudet wird und einfach so sinnlos ins Nichts verschwindet.

Viel sinnvoller ist es aber in meinen Augen, sich zu fragen, WOFÜR man seine Zeit nutzen möchte.

Es geht nicht darum, mehr Dinge zu tun – sondern mehr wichtige Dinge.

Effizientes Zeitmanagement kann grandios sein – oder auch eine Beschleunigung des alltäglichen Wahnsinns.

Denn was nützt die effizienteste Produktivität, wenn sie nichts von Wert produziert?
Was bringt es, schneller zu fahren, wenn man das Ziel nicht kennt, welches man ansteuert?
Oder schneller eine Leiter zu erklimmen, von der man gar nicht weiß, ob sie an der gewünschten Wand lehnt?
Mehr Sprossen im Hamsterrad in kürzerer Zeit zurückzulegen, sorgt nur dafür, dass sich das Rad schneller dreht – nicht, dass du weiter voran kommst….

Effizienz und Produktivität wird dann zu einem Segen, wenn Sie einem hilt, mehr Dinge mit Substanz umgesetzt zu kriegen – oder lästige Pflichten schneller zu erledigen, damit mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge übrig bleibt.

Was uns wieder zum Murmeltier bringt…

Was würdest du an deinem Murmeltier-Tag machen? Da hast du es…

Der fiktive Murmeltier-Tag ist eine gute Übung um das zu finden, was wirklich zählt. Und auch das, was nur lärmendes Beiwerk ist.

Was zählt: Das, was du machen würdest, wenn du dir einen Tag ohne Verpflichtungen gestalten könntest.

Lärmendes Beiwerk: Das was du sehr schnell sein lassen würdest.

Dieser Blog heißt sehr bewusst kontemplaktion. Denn ich möchte Menschen dafür sensibilisieren, ihre Zeit als ein bewusstes Investement zu sehen, über das sie sich genauso Gedanken machen sollten wie über ihre Altersvorsorge.

Erst die Kontemplation, dann die Aktion. Beides zusammen hilft in meiner Erfahrung, ein deutlich besseres Leben zu führen.

Etwas pathetisch ausgedrückt: Es ist deine Lebenszeit – also investiere Sie bevorzugt in die Dinge, welche für dich das Leben lebenswert machen.

Wie willst du also dein Zeit-Budget anlegen? In welche Dinge willst du deine kostbarste Ressource investieren?

Kleiner Tipp: Es ist gut investierte Zeit, sich darüber Gedanken zu machen….

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